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Wenn Heiligabend still ist

Gedanken einer Trauerrednerin


Es gibt Weihnachten, die laut sind. Und es gibt Weihnachten, die still sind.


Ein Heiligabend ohne den Menschen, der fehlt. Ohne gemeinsame Rituale, ohne vertraute Stimmen, ohne das „Wir“, das einmal selbstverständlich war.

Allein zu sein an diesem Abend ist keine Schwäche. Es ist eine Realität, die viele betrifft - und über die dennoch wenig gesprochen wird.


Als Trauerrednerin begegne ich Menschen, deren Verlust gerade an Feiertagen besonders spürbar wird. Weihnachten verdichtet Erinnerung, Sehnsucht und Schmerz. Das, was fehlt, wird nicht kleiner – sondern deutlicher.


Und doch darf auch ein stiller Heiligabend getragen sein.


Nicht im Sinne von „es ist schon gut so“, sondern im Sinne von: Ich darf so da sein, wie ich gerade bin.



Wenn der Abend schwer wird – kleine unterstützende Hilfen


Es braucht an diesem Abend keine großen Vorsätze.


Oft helfen einfache, klare Gesten:


  • Erlauben Sie sich Ihre Gefühle. Traurigkeit, Leere, Dankbarkeit, Erinnerungen – alles darf nebeneinander stehen. Sie müssen nichts „im Griff haben“.


  • Schaffen Sie einen bewussten Rahmen. Eine Kerze anzünden. Ein Lied hören. Ein Foto hinstellen. Ein kurzer Moment der Erinnerung kann Halt geben, ohne zu überwältigen.


  • Gehen Sie – wenn es Ihnen möglich ist – ein paar Schritte nach draußen. Die Dunkelheit, die kalte Luft, die Ruhe der Natur und leeren Straßen können entlastend sein. Die Welt atmet langsamer an diesem Abend. Manchmal tut es gut, sich diesem Rhythmus für einen Moment anzuschließen.


  • Reduzieren Sie Erwartungen an sich selbst. Es muss nichts „besonders schön“ sein. Es darf schlicht sein. Still. Echt.


  • Bleiben Sie in Ihrer Wahlfreiheit. Wenn Sie jemanden anrufen möchten – tun Sie es. Wenn Sie lieber schweigen – auch das ist in Ordnung. Alles darf so geschehen, wie es für Sie stimmt.


Stille ist kein Mangel


Ein stiller Heiligabend ist kein Zeichen von Scheitern. Er ist Ausdruck von Verbundenheit mit dem, was war – und mit sich selbst.


Manche Jahre tragen wir Lichter nach außen. Manche Jahre halten wir sie nur für uns.

Und manchmal zeigt sich gerade in der Stille, dass kleine Bewegungen nach innen oder nach außen möglich werden – auf ihre eigene Weise, in ihrem eigenen Tempo.


Ich wünsche Ihnen für diesen Abend Milde – für Ihre Gedanken, Ihre Erinnerungen und Ihr Herz. Und die Gewissheit: Sie sind nicht falsch, nicht zu viel und nicht allein mit dem, was Sie fühlen.


Eine stille, behutsame Weihnacht.


Eine Winterlandschaft mit untergehender Sonne, Schnee bedeckte Felder mit Birkenbäumen
Eine Winterlandschaft mit untergehender Sonne, Schnee bedeckte Felder mit Birkenbäumen

 
 
 

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