Aus dem Alltag einer Trauerrednerin
- Sabine Nickel - Trauerrednerin

- 19. Jan.
- 1 Min. Lesezeit
Trauerreden entstehen nicht aus Worten, sondern aus Zuhören.
Jeder Abschied ist einzigartig. Jeder Mensch, um den getrauert wird, hat ein eigenes Leben gelebt, eigene Spuren hinterlassen, eigene Beziehungen geprägt. Als Trauerrednerin begegne ich Menschen in Momenten, in denen es nicht um viele Erklärungen geht, sondern um Präsenz.
In den Gesprächen vor einer Trauerfeier erzählen Angehörige von Erinnerungen, von leisen Eigenheiten, von Brüchen und von Liebe. Meine Aufgabe ist es, diesen Erzählungen Raum zu geben – ohne zu werten, ohne zu beschönigen, ohne etwas hinzuzudichten. Es geht darum, dem gelebten Leben gerecht zu werden.
Diese Arbeit verlangt Respekt. Respekt vor der Geschichte eines Menschen. Respekt vor der Trauer der Hinterbliebenen. Und Respekt vor der Stille, die manchmal mehr sagt als jedes Wort.
Menschlichkeit zeigt sich vor allem im Aushalten: im Dableiben, im genauen Hinhören, im Ernstnehmen dessen, was gesagt – und was nicht gesagt – wird. Die Erfahrung aus Begegnungen und Lebenswegen fließt in jede Rede ein und prägt ihre Tiefe.
Eine Trauerrede soll nicht trösten im schnellen Sinn. Sie soll würdigen. Sie darf erinnern, benennen, still machen. Wenn sie das schafft, entsteht ein Moment, in dem Abschied möglich wird – in Achtung vor dem gelebten Leben und in Würde des Abschieds.
So sieht ein Teil meines Alltags als Trauerrednerin aus: still, verantwortungsvoll und getragen von der Dankbarkeit für das Vertrauen, das mir in diesen sensiblen Momenten entgegengebracht wird.

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