Dankbarkeit im Alltag – Wie reich ein Tag sein kann | Sabine Nickel
- Sabine Nickel - Trauerrednerin

- vor 12 Stunden
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Als Trauerrednerin werde ich immer wieder daran erinnert, wie kostbar das Leben ist. Warum Dankbarkeit oft in den kleinen Momenten des Alltags entsteht.
Dankbarkeit beginnt am Morgen
Es gibt Tage, an denen wir abends spüren: Heute war ein guter Tag.
Nicht, weil etwas Außergewöhnliches passiert ist.
Sondern weil wir das Besondere im Gewöhnlichen entdeckt haben.
Heute Morgen bin ich aufgewacht.
Noch bevor der Tag richtig begonnen hatte, wurde mir bewusst, wie reich ich eigentlich bin.
Ich bin gesund.
Ich habe keine Schmerzen.
Ich kann sehen. Hören. Riechen. Schmecken. Fühlen.
Nichts davon ist selbstverständlich.
Ich habe ein Zuhause.
Ein Dach über dem Kopf.
Einen Kühlschrank, der gefüllt ist.
Ich darf in Frieden leben.
Wie oft nehmen wir all das als selbstverständlich hin?
Berührende Begegnungen
Heute durfte ich als Trauerrednerin eine Familie beim Abschied eines geliebten Menschen begleiten.
Es war eine sehr berührende Trauerfeier.
Ich durfte Menschen begegnen, die mir ihr Vertrauen geschenkt haben. Menschen, die ihre Erinnerungen mit mir geteilt haben und den Mut hatten, ihre Trauer zu zeigen.
Es entstanden ehrliche Gespräche über Abschied, Erinnerungen und darüber, wie Trauer sich mit der Zeit wandeln kann.
Solche Begegnungen berühren mich immer wieder.
Sie erinnern mich daran, wie wichtig es ist, füreinander da zu sein und einander wirklich zuzuhören.
Nach der Trauerfeier wurde ich sogar noch zum gemeinsamen Beisammensein eingeladen.
Dort hielt der Schwiegersohn der Verstorbenen ganz spontan ein paar Worte des Dankes an mich.
Ich war tief berührt.
Nicht, weil ich Lob suche.
Sondern weil ich gespürt habe, dass meine Worte die Familie erreicht haben.
Genau dafür bin ich Trauerrednerin geworden.
Ein Zuhause, das trägt
Als ich später nach Hause kam, wartete mein Mann bereits auf mich.
Nicht nur mein Ehemann.
Sondern mein bester Freund.
Mein Partner.
Mein Kamerad fürs Leben.
Auch das ist ein Geschenk!
Die kleinen Geschenke des Alltags
Am Nachmittag stieg ich auf mein Mountainbike.
Den Wind im Gesicht.
Die Bewegung.
Die Freiheit.
Einfach leben.
Wieder zu Hause goss ich unseren kleinen Vorgarten und den Balkon.
Ich betrachtete die Blumen.
Das frische Grün.
Den Duft der Erde.
Und plötzlich wurde mir etwas bewusst.
Vielleicht entsteht Dankbarkeit gar nicht durch die großen Ereignisse unseres Lebens.
Vielleicht wächst sie aus den vielen kleinen Geschenken eines einzigen Tages.
Warum Trauer den Blick auf das Leben verändert
Gerade als Trauerrednerin werde ich immer wieder daran erinnert, wie kostbar unser Leben ist.
Wir planen.
Wir verschieben.
Wir warten auf den richtigen Zeitpunkt.
Dabei ist das Leben längst da.
Im ersten Sonnenstrahl des Morgens.
Im Gesang der Vögel.
Im Lächeln eines Menschen.
Im Duft nach Sommerregen.
In einer herzlichen Begegnung.
In einer gemeinsamen Fahrradtour.
In einer Blüte, die sich öffnet.
Vielleicht müssen wir manchmal einen Menschen verabschieden, um neu zu erkennen, wie wertvoll das eigene Leben ist.
Ich glaube,
Dankbarkeit verändert nicht unser Leben.
Aber sie verändert unseren Blick auf das Leben.
Und manchmal ist genau das der Anfang von mehr Zufriedenheit, mehr Gelassenheit und mehr Freude.
Mein persönliches Fazit
Heute möchte ich deshalb einfach nur Danke sagen.
Für meine Gesundheit.
Für meine Familie.
Für meinen Mann.
Für die Menschen, denen ich heute begegnen durfte.
Für die Natur.
Für die Bewegung.
Für die Liebe.
Und für das Leben selbst.
Denn wahrer Reichtum lässt sich nicht auf einem Kontoauszug finden.
Er zeigt sich in den Menschen, die uns begleiten.
In den Begegnungen, die unser Herz berühren.
Und in den kleinen Momenten, die unser Leben still und leise reich machen.
Wofür sind Sie heute dankbar?

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